2026





Memento Mori 2026
crypt, ursuline church, Linz
Untitled (loop) / 2026
cryptmotors, embroidered linen handkerchiefs
curated by Martina Gelsinger
„Im ehemaligen Aufbahrungsraum der Krypta der Ursulinenkirche sind fünf Motoren an der Wand montiert. An diesen sind weiße Stofftaschentücher aus Leinen befestigt, die sich im Kreis drehen und dabei kontinuierlich über die Wand streichen. Jedes einzelne Stofftaschentuch ist mit einem Wort bestickt: distance, love, closeness, touch, yours.
Die Taschentücher streifen über die Wände. Die Berührung tastet den Raum immerfort in einem ruhigen Rhythmus ab. Die Rotation folgt einem endlosen Loop, in dem Anfang und Ende sich berühren. Aus der stetigen Drehung entsteht ein Rhythmus, der den Raum in eine zeitliche Spur einschreibt. So bleibt eine mechanische Präsenz zurück, in der Bewegung, Technik und Wahrnehmung ineinandergreifen und den Raum in einen stillen, fortlaufenden Dialog versetzen.
Das Leinen-Taschentuch als intimes Objekt berührt im alltäglichen Gebrauch die Haut und nimmt Tränen und Schweiß auf. Hier treten sie in Kontakt mit der Mauer, der rund 270 Jahren alten Krypta.
Die Motoren erzeugen ein gleichmäßiges Geräusch. Die Stofftaschentücher erzeugen ein weiches, fast flüsterndes Rauschen, wenn sie über die Wände streichen. Der hörbare Sound ist ein Zeichen von Reibung, Tuch und Wand verändert sich langsam und sanft im Laufe der Zeit.
Die Rauminstallation thematisiert auf metaphorische Weise Trauer, Trost und Erinnerung. Die fortlaufende Bewegung kann als Metapher für die Zeit, die einem Prozess der Veränderung oder des Abschieds innewohnt und der auch eine „heilende“ Wirkung zugeschrieben wird, verstanden werden. Die Taschentücher und die darauf gestickten Begriffe stehen für Intimität, Nähe und Beziehung im Verhältnis von Körper und Raum, dem Menschen und seinem Umfeld.„
– Martina Gelsinger